Geographische Lage:
Wiebelsbach liegt am östlichen Fuße des Otzbergs, in einem kleinen nach Nord-Ost geöffneten Talkessel, ca. 250 m über dem Meeresspiegel.
Der Name:
Der Name Wiebelsbach steht wahrscheinlich mit dem Namen des ersten fränkischen Ansiedlers "Wezilo" oder "Wibel" im Zusammenhang. Da die Grüdung der Siedlung jedoch nicht urkundlich festgehalten wurde, könnte die Namensgebung auch anderen Ursprungs sein.
Die Schreibweise des Namens hat sich im Laufe der Geschichte wie folgt geändert:
1303 - Wubelspach 1356 - Webelsbach 1391 - Niderwibbelsbach 1398 - Nider und Oberwibelspach 1439 - Wybelspach 1454 - Wobelspach 1455 - Wibelspach 1485 - Nidder Wibelspach 1495 - Wobelsbach 1520 - Wibelspach 1580 - Wybelspach 1589 - Wiepelspach 1787 - Pfalz Wiebelsbach, auch Niederwiebelspach
Die heutige Schreibweise taucht erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts auf.
Geschichte:
Die Geschichte von Wiebelsbach geht bis in die Zeit um 5.000 vor Christi Geburt zurück, wie Steinbeilfunde am Totenberg, in einem Steinbruch bei Frau Nauses und "Am Eichkopf" (Frau Nauses) belegen.
Urkundlich wird Wiebelsbach zum ersten Mal 1303 n. Chr. in einen Kaufvertrag zwischen dem Kloster Höchst und einem Hilderich von Heipach erwähnt.
Nach der Belagerung der Veste Otzberg durch die katholische Liga im Jahre 1621/23 blieben in Wiebelsbach von 16 wahrscheinlichen Familien noch 2 übrig.
1784 wird das erste Schulgbäude in Betrieb genommen, das Gebäude ist bis heute erhalten und wird als Wohnhaus genutzt.
Wiebelsbach befindet sich seit 1805 unter hessischer Hoheit.
Im Jahr 1861 wird der Grundstein für die evanglische Kirche gelegt, die Einweihung fand am 28. September 1862 statt.
1868 wurde mit dem Bau des 1206 m langen Tunnels zwischen Frau Nauses und Hetschbach begonnen, an dem über 200 Arbeiter aus Deutschland, Tirol, Frankreich und Italien beteiligt waren.

Das Gelände zwischen Frau Nauses und Hetschbach wurde zur Großbaustelle. Unter anderem wurde ein Unfall-Hospital und zwei Schmieden eingerichtet. Während des Baus wurden 1869 mehrere Arbeiter verschüttet, 5 davon konnten nur tot geborgen werden. Bei der Explosion eines Pulverfasses wurden sechs Arbeiter schwer verletzt.
Trotz zahlreicher Verzögerungen konnte der Tunnel 1870 fertiggestellt werden und am 23.12.1871 wurde die Odenwaldbahn mit einer Einweihungsfeier offiziell in Betrieb genommen.
1884 wurde das barackenähnliche Holzhaus, das bisher als Bahnhof gedient hatte durch ein größeres ersetzt. Dies wurde wiederum um 1906 abgetragen und von dem Familien Amend und Neidig als Wohnhaus in den Ettern aufgebaut.
Das jetzige Bahnhofsgebäude wurde errichtet.
Zwischenzeitlich wurde 1886 mit dem Unterricht im neuen Schulgebäude in der Bachgasse (heute Herrnwald) begonnen. In diesem Gebäude befindet sich noch heute die Wiebelsbacher Grundschule.
Die Wasserversorgung wurde 1910 durch Wasserleitung und Hochbehälter sichergestellt, am 19. Juni 1919 brannte erstmals elektrisches Licht in den Häusern.
Im Jahr 1920 wird die Freiwillige Feuerwehr Wiebelsbach gegründet.
Den Opfern der Kriege 1870-1871 und 1914-1918 wurde ein Denkmal an der heutigen Kreuzung "Die Ettern / Unterm Rain" errichtet und am Sonntag, den 16.11.1921, eingeweiht. Eine weitere Gedenkstätte befindet sich auf dem neuen Friedhof, diese enthält zusätzlich die Opfer des zweiten Weltkrieges.
Ebenfalls 1921 wurde das Postamt, welches 1885 im Bahnhof eingerichtet worden war, in das Dorf verlegt.
Während des zweiten Weltkrieges wurde Wiebelsbach zunächst von direkten Kriegseinwirkungen verschont. 1941 jedoch fielen die ersten Bomben in der Nähe des Bahnhofs, sie konnten aber zum Glück keinen größeren Schaden anrichten.
Im selben Jahr trafen die ersten Todesnachrichten aus dem Kampfgebiet in Wiebelsbach ein.
1942 musste die ev. Kirche eine Glocke abgeben.
Die Fliegerangriffe nahmen zu und forderten 1944 ihr erstes Opfer.
Nach den schweren Angriffen auf Darmstadt in der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 kamen 114 Personen aus Darmstadt nach Wiebelsbach.
Gegen Ende des Krieges wurde der Frau-Nauses-Tunnel besonderes Ziel der Luftangriffe, da die Reichsbahndirektion Mainz ihre Zentrale auf einen im Tunnel befindlichen Zug verlegt hatte. Die Bomben, die zu beiden Seiten des Tunnels einschlugen, richteten jedoch keinen größeren Schaden an.
Am 26. März 1945 trafen die Amerikaner in Wiebelsbach ein.
Die erste Gemeindewahl nach dem Krieg fand am 20.01.1946 statt.
1951 erhält die ev. Kirche wieder eine zweite Glocke, welche am 22. Juli geweiht wurde.
Am 03.10.1955 wird die Straßenbeleuchtung in Betrieb genommen.
1960 wird Frau-Nauses nach Wiebelsbach eingemeindet. Im gleichen Jahr werden die ersten Wasserzähler eingeführt.
Der Grundstein für die katholische Kirche wurde am 15. Oktober 1962 gelegt, am 19. Juni 1966 wird die Kirche geweiht und auf den Namen "Sankt Elisabeth" getauft.
Seit dem 31.12.1971 gehört die bisher selbständige Gemeinde Wiebelsbach zur Stadt Groß-Umstadt. Im Grenzänderungsvertrag wurde u. a. festgehalten, dass Wiebelsbach eine Leichenhalle und eine Mehrzweckhalle erhält.
Des Weiteren sollte der Bau eines Kindergartens bezuschusst werden und div. Ausbau- und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt werden.
Damit wurde der 1961 geschlossene Gemeindeverband mit Ober-Nauses gelöst und Ober-Nauses wurde nach Lengfeld eingemeindet. Für Wiebelsbach bestand auch die Option, sich nach Lengfeld eingemeinden zu lassen, jedoch wurde gem. einer Bürgerbefragung die Eingemeindung nach Groß-Umstadt zu 90% favorisiert.
1974 wurde dann der Kindergarten im ehemaligen Lehrerhaus eingerichtet und die Leichenhalle wurde mit der Friedhofserweiterung fertiggestellt.
Die Mehrzweckhalle wurde im September 1983 in Betrieb genommen.
2003 feierte Wiebelsbach sein 700-jähriges Bestehen. Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Kerb im September, bei der viele Anwesen und Keller ihre Tore geöffnet hatten und zu einer Reise in die Vergangenheit einluden. Wiebelsbach hat heute 1161 Einwohner (Stand: 30.06.2009).
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